Verworrene Pfade: Schatten von Hotepneith (Die dritte Staffel) ================================================================================ Kapitel 21: Fallen ------------------ Ihr habt vollkommen Recht: was Achill und sein gewöhnliches Denkvermögen betrifft, könnte sich sein Vater an die eigene Nase fassen. Was er von seiner Mutter geerbt hat lässt sich im Moment dank Akago ja nicht festststellen. 21. Fallen Der Kronprinz sah auf, als sein Sekretär hereinkam und sich verneigte. „Nun?“ Jaken schluckte ein wenig, zu vertraut mit der Stimmung seines Herrn, als dass er nicht gewusst hätte, dass dieser keine Störung wünschte: „Ich…Thaleia von den Amazonen bittet Euer Gnaden um Audienz.“ Und sie hatte es dringend gemacht – so dringend, dass sie ihm bei seiner ersten Ablehnung das Schwert an die Kehle gehalten hatte. Thaleia? Oh, sie wollte vermutlich wissen, ob sie sich nun als seine Braut ausgeben sollte oder nicht: „Lass sie herein.“ Jaken gehorchte erleichtert. So kniete kurz darauf die wohl beste Kämpferin der Amazonen höflich vor Sesshoumarus Schreibtisch nieder und neigte den Kopf. „Was führt dich her?“ „Wir erhielten den Befehl Seiner Hoheit nach Norden zurückzukehren, Euer Gnaden.“ Sie wusste nicht, ob er das schon gehört hatte, wollte es jedoch erwähnt haben: „Darf ich um weitere Anweisungen bitten?“ „Du hast noch niemandem etwas von der…Verlobung erzählt?“ „Nein, Euer Gnaden.“ „Dann belasse es einstweilen auch dabei. Wenn es notwendig werden sollte, werde ich dir Bescheid geben. Kehre mit den anderen zurück.“ „Ja, Euer Gnaden.“ Sie wagte es, etwas zu ihm aufzuschauen. Nun, er sah ohne Zweifel nicht schlecht aus - für einen Mann. Wäre sie keine Amazone, hätte sie sich sicherlich geschmeichelt fühlen können, dass sie als seine Verlobte gelten sollte. Und so, aus dieser Perspektive, konnte sie auch bestätigen, dass er durchtrainiert war. Unter der Rüstung, die er selbst hier im Arbeitszimmer trug, verbarg sich sicher ein muskulöser Oberkörper…. Seit der Schlacht gegen die Motten wusste sie freilich nur zu gut, dass er stark war. Wohin verirrten sich ihre Gedanken? Sie senkte lieber wieder den Kopf. „Thaleia.“ „Ja, Euer Gnaden…?“ „Du hast mir eine Bedingung gestellt und ich habe sie akzeptiert. Es liegt allein bei dir, ob und wann du mein Wort eingelöst haben willst.“ Sie war froh, eine Dämonin zu sein. Eine Menschenfrau wäre sicher glühend rot geworden und hätte sich damit verraten. Sie betrachtete seine nachlässig herabhängende Hand und versuchte sich vorzustellen, wie es wäre, davon berührt zu werden. Allein das löste ein seltsames Prickeln auf der Haut aus, das sie eigentlich nur von ihren Kriegsschwestern kannte: „Danke…“ war alles, was ihr als Antwort einfiel. „Du darfst gehen.“ „Danke, Euer Gnaden.“ Ohne Erlaubnis aufzustehen und das Zimmer zu verlassen, war Gerüchten zu Folge noch niemandem gelungen. Zumindest nicht in einem Stück. Sesshoumaru sah ihr nach. Es war wohl an der Zeit, dass er seinen Vater von dieser vorgetäuschten Verlobung in Kenntnis setzte. Immerhin waren die gesetzten drei Wochen in wenigen Tagen um. So stand er auf und verließ seine Räume. Als er auf dem Gang davor zwei einfach gekleidete Fuchsdämonen überholte, die eine geradezu riesige Kiste schleppten, sich jedoch eilig vor ihm zu Boden warfen, maß er dem keinerlei Bedeutung bei. Der Inu no Taishou blickte auf, als sein Ältester sein Arbeitszimmer betrat: „Du hast gehört, dass ich die Amazonen nach Hause schicke?“ „Ja, mein Herr und Vater.“ Der Kronprinz nahm Platz. „Akago bereitet einen neuen Plan vor – aber ich glaube kaum, dass er dabei militärisch vorzugehen gedenkt. Er ist allein und selbst, wenn er wieder einen Dämon übernimmt – ein Heer kann er so nicht führen. Sogar, wenn es sich um einen Provinzfürsten handeln sollte, was ich nicht annehme, hätte er nur die fünfzig Krieger der jeweiligen Schlosswache. Die Fürsten sind alle starke Dämonen und selbstsicher. Echidna meinte ja, dass nur Wesen mit Selbstzweifel übernommen werden können. Der einzig Schwache könnte der kleine Shippou sein, aber Cinnamon ist bei ihm. Und er besitzt nicht gerade das, was ich eine schwarze Seele nennen würde.“ Sesshoumaru wusste es zu würdigen, dass sein Vater seine Gedanken mit ihm teilte. „So sind die Amazonen hier in der Hauptstadt überflüssig.“ „Ja. Und man sollte die Geduld seiner Gefolgsleute nie überstrapazieren. – Falls Akago einen neuen Plan hat, werden wir uns selbst darum kümmern. Auch bei Naraku brachte nur unser direktes Eingreifen wirklich etwas.“ „Wir beide? Oder auch Inuyasha?“ „Das hängt davon ab, welchen Plan dieses Baby ausgeheckt hat. Ich möchte eigentlich ungern alles auf eine Karte setzen. Er ist raffiniert.“ „Moryomaru und Hekate werden nach wie vor sehr gut bewacht. An diese beiden wird er nicht herankommen, selbst, wenn es ihm gelingen sollte, eine der Wachen zu übernehmen. Sie haben Befehl, stets zu zweit und mit einem Priester oder einer Priesterin zu bleiben, um eine derartige Übernahme zu verhindern.“ „Gut gedacht.“ Sesshoumaru wollte gerade beginnen, von Thaleia und der so genannten Verlobung zu berichten, als die Tür geöffnet wurde und der Dämon vom Dienst hereinsah, sich eilig auf den Boden kniete und vorbeugte: „Hoheit…“ Der Inu no Taishou wusste, dass etwas überaus Wichtiges geschehen sein musste. Gewöhnlich störte niemand seine Gespräche mit seinen Söhnen: „Nun?“ „Ich…die Dienerin der Despoina bittet unverzüglich um Audienz.“ Und jeder Dämon, der nicht gerade unter Schnupfen und Blindheit litt, konnte erkennen, dass diese Menschenfrau vollkommen in Panik war. War seine Gefährtin etwa krank geworden? Menschen erkrankten leicht und starben rasch, das wusste er, und er spürte, wie sich Besorgnis in ihm ausbreitete. „Lass sie herein.“ So warf sich kurz darauf Euronyme flach vor dem Herrscher zu Boden. Den beiden Hundedämonen entging nicht, dass sie schiere Todesangst hatte. „Was ist geschehen?“ erkundigte sich der Inu no Taishou daher sofort. War seine Gefährtin etwa… „Eure Hoheit…Eure Hoheit….ich…bitte, lasst sie doch am Leben….“ Sie konnte fast nicht sprechen. Vater und Sohn blickten sich kurz irritiert an, ehe der Herrscher fragte: „Wen? Ist eine Verwandte von dir verurteilt worden?“ Er konnte sich an kein Todesurteil erinnern, das er in den letzten Wochen ausgesprochen hatte. Aber Provinzfürsten hatten natürlich auch dieses Recht. „Die…die Despoina….“ „Wovon redest du?“ Sollte das ein schlechter Scherz sein? Aber sie hatte offenkundig Panik: „Richte dich etwas auf und berichte.“ Euronyme gehorchte angsterfüllt. Sie war nie zuvor im Arbeitszimmer des mächtigen Herrschers gewesen, geschweige denn mit ihm allein – nun, und dem eher noch mehr gefürchteten Kronprinzen. Ihr war klar gewesen, dass sie unter Umständen diesen Raum nicht mehr lebendig verlassen würde, aber sie konnte und wollte doch nicht zulassen, dass dieser netten Frau etwas zustieß…. „Die Despoina….“ „Was ist mit ihr?“ „Bitte, lasst sie frei.“ „Du törichte…“ begann Sesshoumaru, wurde aber durch die erhobene Hand seines Vaters unterbrochen. „Ist sie etwa verschwunden?“ fragte der Inu no Taishou angespannt. Euronyme holte tief Atem. Dann war es gar nicht sein Befehl gewesen? „Es…es kam ein Dämon, der mich anwies, in mein Zimmer zu gehen. Er habe Botschaft von Eurer Hoheit an die Despoina…..“ Sie warf sich eilig vor, als sie den Blick des Herrschers erhaschte – und die eisige Kälte darin. Der Inu no Taishou zwang sich zur Ruhe. Gut ausgedacht. Keine menschliche Dienerin würde eine derartige Anweisung eines Dämons missachten. Und Euronyme war zu neu an ihrem Posten, als dass sie hätte wissen können, dass er niemals einen derartigen Boten schickte. Er hätte es als unhöflich gegenüber seiner Gefährtin empfunden, ihr Dinge nicht selbst zu sagen. Die einzige für ihn akzeptable Überbringerin von Nachrichten wäre Kagome. „Und als du endlich nachsehen gingst, war die Despoina verschwunden. Du hast dann angenommen, dass ich sie habe verhaften lassen? Und wolltest für sie um Gnade bitten?“ „Verzeiht, Euer Hoheit…bitte, verzeiht mir….“ Der Kronprinz ignorierte das sinnlose Gestammel der Menschenfrau: „Abriegeln, verehrter Vater?“ „Ja.“ Sesshoumaru erhob sich unverzüglich, um Krieger anzuweisen, die Tore zu schließen und das Schloss zu durchsuchen – zum zweiten Mal, seit dieser Akago aufgetaucht war. Er wurde eindeutig lästig. Der Herrscher wandte sich unterdessen wieder der Dienerin zu: „Weißt du, was das für ein Dämon war?“ „Nein, Hoheit….“ Leider sahen für die meisten Menschen, zumal der dritten Rangstufe, Dämonen in Menschengestalt eben so aus – ohne, dass sie erfassen konnten, welche wahre Gestalt sich darunter verbarg. „Würdest du ihn wieder erkennen?“ „Ich…ich weiß nicht, Hoheit….“ „Geh zu Prinz Inuyasha. Bei ihm ist eine Priesterin namens Kagome. Sage Seiner Durchlaucht und ihr, was geschehen ist. Sie soll unverzüglich die Räume ihrer…der Despoina überprüfen. – Geh.“ Während Euronyme eiligst und erleichtert gehorchte, stand er langsam auf. Hoffentlich würde Kagome etwas herausfinden können. Falls Magie dabei gewesen war, sicher. In jedem Fall würde er wohl besser selbst Witterung aufnehmen. Nur kurz darauf eilte Kagome mit Inuyasha in die Räume ihrer Mutter, bestürzt und besorgt zugleich. Sie vergaß vor Aufregung fast, sich vor dem Herrscher zu verneigen, der dort stand. „War Magie im Spiel?“ fragte er nur, ohne auf ihre verspätete Verneigung einzugehen. Sie konzentrierte sich eilends. Der Prinz sah zu seinem Vater: „Doch nicht schon wieder dieser Mistkerl von Akago? Wie war es ihm bloß möglich, an allen Wachen vorbeizukommen? Er muss sich wieder ein Opfer gesucht haben.“ „In der Tat. Und zwar einen Fuchs.“ „Shippou etwa?“ Der war doch noch ein Kind! „Nein, wie du selbst riechen solltest.“ Ein wenig Ungeduld lag in seiner Stimme. Erst jetzt prüfte der Halbdämon die Luft. „Ein Fuchsdämon…..die haben doch so magische Tricks drauf.“ „Ich kann nichts feststellen, Euer Hoheit“, berichtete Kagome: „Oh…bitte…“ Aber es war äußerst unschicklich, den Herrscher einfach so um etwas zu bitten. So brach sie ab. Er wusste dies: „Ich werde deine Mutter finden, sicher“, versprach er daher: „Und ihr wird nichts passieren.“ Diese Entführung machte nur Sinn, wenn man sie als Geisel gegen ihn einsetzen wollte. Und tot belief sich ihr Wert für eine derartige Erpressung auf Null. Kagome biss sich auf die Lippen. Daran dachte sie ebenfalls, aber ihr war auch klar, dass sich der Herrscher nicht würde erpressen lassen. Inuyasha legte ihr die Hand auf die Schulter: „Mach dir nicht zu große Sorgen“, meinte er: „Vielleicht ist sie sogar noch im Schloss. Ich meine, Fuchsdämon hin oder her, er muss sie ja transportieren. Und das auch noch unauffällig.“ „Es waren zwei Füchse.“ Dieser Satz des soeben eingetretenen Kronprinzen ließ alle zu ihm blicken. „Ich habe sie gesehen, verehrter Vater. Sie trugen eine große Kiste. – Das Schloss wird durchsucht, aber ich vermute fast, umsonst.“ „Wann hast du sie gesehen?“ fragte der Inu no Taishou sofort. „Vor meinen Räumen, als ich zuvor zu Euch wollte.“ „Was sollten die denn da suchen?“ erkundigte sich Inuyasha: „Ich denke mal nicht, dass sie so genial dumm wären, sie ausgerechnet bei dir verstecken zu wollen.“ „Äußerst unwahrscheinlich, in der Tat, kleiner Bruder.“ Sesshoumaru erstarrte unmerklich. Er hatte sie überholt, sie waren also aus der gleichen Richtung gekommen, wie er selbst – und dort befanden sich nur seine eigenen Zimmer – und Jaken und Rin. Akago hatte schon einmal als Prinzessin Maja versucht, über seine kleine Drachenreiterin an ihn selbst heranzukommen. Hatte dieser Abschaum es etwa gewagt…? Er drehte sich wortlos um und ging. „Äh…“ Inuyasha blickte zu seinem Vater. So schlimm war seine Äußerung doch auch nicht gewesen? Dieser sagte nur ein Wort: „Rin.“ „Ihr glaubt, dass sie auch die Kleine haben? Aber warum? Jemand muss doch praktisch lebensmüde sein, Eure Gefährtin und Sesshoumarus Drachenreiterin zu entführen.“ „Akago.“ Der Herrscher drehte sich um. Äußerlich ruhig verriet nichts, dass er einen jähen Schmerz im Herzen spürte, als er die angefangene Handarbeit sah, die auf dem Boden lag. Er erinnerte sich nur zu gut daran, was ihm selbst widerfahren war, als Akago ihn von Atreus gefangen nehmen ließ. Hoffentlich würde ihr das nicht angetan werden. Schon Naraku hatte sie entführen lassen und sie war um ein Haar gestorben. Er war wirklich ein schlechter Beschützer. „Und was jetzt?“ erkundigte sich Inuyasha, der Kagomes verzweifelten Blick nicht mit ansehen konnte: „Wir müssen doch etwas unternehmen, verehrter Vater.“ „Wenn die Durchsuchung ergebnislos ist, sehen wir weiter. – Und im schlimmsten Fall müssen wir abwarten, bis sich die Entführer melden. Sie haben sie nicht ohne Grund mitgenommen.“ Am liebsten hätte er jeden einzelnen Krieger der unaufmerksamen Wachen hinrichten lassen, aber das würde sie ihm auch nicht zurückbringen. Er war jedoch sicher, dass irgendjemand teuer für dieses Verbrechen bezahlen würde. Sehr teuer. Kagomes Mutter erwachte nur mühsam. Um sie war Dunkelheit. Was war geschehen? Ein Dämon war zu ihr gekommen, im Auftrag des Herrschers, hatte er gesagt. Und dann war sie bewusstlos geworden. Sie setzte sich auf. Etwas klirrte leise und spannte um ihren Hals. Ihre tastenden Finger verrieten ihr, dass Metall um ihre Kehle lag, daran eine Kette, die zu der Wand hinter ihr führte. Sie war in einem Kerker – auf Befehl des Inu no Taishou? Aber warum nur? War es das, vor dem ihre Dienerin sie hatte warnen wollen? Hatte es Euronyme gewusst? Aber warum hatte er sich so plötzlich von ihr abgewandt? Erst vergangene Nacht… „Hallo?“ sagte jemand neben ihr: „Bist du wach?“ „Ja.“ Wer war das? Ein Kind? Was war das hier nur für ein Ort? „Wer bist du?“ „Ich bin Rin. Ich bin die Drachenreiterin Seiner Gnaden.“ Die Kleine klang stolz. „Warum bist du hier, Rin? Wo sind wir?“ „Das weiß ich nicht.“ Sie krabbelte näher und berührte ihre Nachbarin: „Ich bin angebunden. Du auch? Oh, ich muss wohl Ihr sagen, nicht wahr? Ihr seid doch Kagomes Mutter? Die Despoina?“ „Ich war es zumindest…..“ Nein, dachte sie. Es muss ein Irrtum sein. Er hätte mich doch nie einfach so einsperren lassen, nicht er – und schon gar nicht die Kleine. Jemand will mir das nur weismachen. Ich muss Vertrauen haben. „Keine Angst, Seine Gnaden kommt sicher bald.“ „Du meinst, Seine Gnaden wird uns befreien?“ „Natürlich. Seine Gnaden kann doch alles. Nun, sicher auch der Herrscher, “ ergänzte Rin nachdenklich: „Er ist doch Seine Gnaden Vater.“ Die Kleine verwendete den höfischen Titel wie einen Namen. Unwillkürlich musste Kagomes Mutter lächeln: „Ja. – Du weißt nicht, wo wir sind?“ „Nein. Ein Dämon kam zu mir und sagte, er hätte einen Befehl Seiner Gnaden…aber dann schlief ich ein. Als ich aufwachte, war ich hier.“ „Zu mir sagte er, es sei Befehl des Herrschers…“ Nein, dann war das eindeutig gelogen gewesen. Wie hatte sie nur an ihrem Gefährten zweifeln können? Hatte Euronyme sie so verunsichert? Aber was hatte der Unbekannte davon, Befehle vorzutäuschen? „Wie lange sind wir schon hier, Rin? Weißt du das?“ „Nein, es ist ja dunkel. Aber ich bin sicher, Seine Gnaden kommt bald…und Seine Hoheit.“ „Ja, sie werden uns sicher suchen.“ Aber auch finden? Sie musste nur an Naraku denken, ermahnte sie sich. Da waren sie auch gekommen, da hatte er sie auch gefunden. Und er hatte einen guten Nachrichtendienst, Freunde und Gefolgsleute, die ihm helfen würden. Und natürlich seine beiden Söhne. Sesshoumaru würde gewiss schon um Rins Willen mitsuchen, Inuyasha wegen Kagome. „Äh…Despoina?“ „Ja, Rin?“ „Könntet Ihr mir eine Geschichte erzählen?“ „Ja, natürlich.“ Sie hatte schließlich vier Kinder geboren und erzogen. Und die kleine Drachenreiterin hatte Recht: sie mussten warten und da wäre ein Märchen sicher nicht schlecht, um sich von den besorgten Gedanken abzulenken. Immerhin stand zu hoffen, dass der Unbekannte sie beide lebendig wollte, also wohl auch für Essen und Trinken sorgen würde. „Was magst du denn hören? Kennst du die Blume, die man Narzisse nennt?“ „Diese gelbe?“ „Ja. – Ich erzähle dir das Märchen, wie sie entstand, ja?“ „Das kenne ich gar nicht.“ Rin rutschte so nahe an ihre Nachbarin, wie es die Ketten erlaubten, und schmiegte sich an sie, spürte, wie sie in den Arm genommen wurde. „Also. Es war einmal ein junger Mann namens Narcissus….“ Es dauerte vier Tage, bis die Torwache ein Schreiben an Seine Gnaden erhielt und ahnungslos diesem überbrachte. Als der Kronprinz den Brief öffnete und las, wünschte sich der Dämonenkrieger jedoch weit weg. Die Temperatur im Raum schien abzusinken – und es war trotz der gewahrten Selbstkontrolle nur zu deutlich, dass es sich um eine äußerst unangenehme Mitteilung handelte. Hoffentlich würde Seine Gnaden nicht den Boten für die Nachricht strafen…töten… „Wer gab dir den Brief?“ „Ein…ein Mensch, Euer Gnaden….“ „Sieh zu, dass du ihn einfängst.“ „Ja, Euer Gnaden….“ würgte der Krieger nur noch und machte, dass er aus dem Zimmer kam. Der Kronprinz drohte nie, was geschehen würde, versagte man. Die Konsequenz war jedoch immer deutlich spürbar. Sesshoumaru machte sich auf den Weg zu seinem Vater, nachdem er Jaken beauftragt hatte, Inuyasha sofort zu diesem zu holen. Der Krötendämon raste davon, so rasch ihn seine Beine trugen – in derart mörderischer Stimmung hatte er seinen Herrn nur sehr selten oder eher noch nie gesehen. Der Inu no Taishou unterbrach unverzüglich die Audienz mit Fürst Suez, dem Herrn des 3. Bezirks, da er nicht annahm, sein Ältester sei grundlos so aufgebracht. Dieser warf dem Kronprinzen nur einen unsicheren Blick zu, als er den Raum verließ, in der Hoffnung, nicht derjenige zu sein, der diesen Zorn erregt hatte. Wortlos übergab Sesshoumaru seinem Vater den Brief. „Akago“, konstatierte der, als er gelesen hatte: „Fragt sich nur, in wem er steckt. – Setz dich.“ „Was ist passiert? Habt ihr sie gefunden?“ Mit diesem Satz stürzte Inuyasha in das Arbeitszimmer. Kagome bemühte sich zwar um Ruhe, aber sie weinte immer wieder – und das war etwas, das er hasste: „Äh...ein Brief…?“ Aber er nahm ihn: „Ich habe etwas, das Euer Gnaden gehört und Ihr habt etwas, das ich will. Wollt Ihr das Menschenmädchen zurück, stellt Euch einem ordnungsgemäßen Duell mit Erbprinz Achill. Will der Inu no Taishou seine Gefährtin zurück, sollte er Euch begleiten.“ Der jüngere Prinz blickte auf: „Achill? Das ist doch der Sohn von Fürst Agamemnon, 6. Bezirk, oder? Ist der verrückt geworden?“ „Akago“, meinte der Herrscher: „Aber ist er in Achill oder Agamemnon oder jemand anderem? Er kann ja anscheinend sehr gut zusätzlich andere Personen beeinflussen.“ „Agamemnon und Achill sind Fuchsdämonen“, sagte Sesshoumaru langsam: „Das erklärt, warum zwei Füchse die beiden entführten.“ „Ihr wollt dahin?“ erkundigte sich Inuyasha: „Na ja… Du wirst doch sicher mit diesem Achill fertig werden, oder?“ „Natürlich.“ Der Kronprinz blieb sachlich: „Auch, wenn er angeblich ein sehr guter Kämpfer ist. Immerhin hat er allein gegen einen Kyklopen bestanden.“ „Ich komme selbstverständlich mit.“ „Nein, Inuyasha.“ Der Herrscher sah zu ihm: „Das ist in Aigina mit Sicherheit eine Falle – für uns beide. Du bleibst hier, als Schutz.“ Der Halbdämon setzte zu einem Einwand an, aber der Kronprinz sah zu ihm: „Es ist eine Falle. Und wir werden sehen, wie „ordnungsgemäß“ das Duell mit Achill sein wird.“ „Ja….“ dehnte Inuyasha: „Aber wenn ich meine Meinung sagen darf…? Genau dann könnte es besser sein, wenn ich mit dabei bin. Ich meine, Tessaiga ist kein schwaches Schwert und ich habe auch was drauf. Man muss ja Achill oder auch Agamemnon gegenüber nicht erwähnen, dass ich auch dabei bin.“ Er würde doch gegenüber Kagome schön dastehen, wenn er nicht mithalf, ihre Mutter zu befreien. „Ich meine, was kann ich hier schon tun, außer warten? Und bis von hier aus etwas passieren kann…Aigina ist nicht gerade um die Ecke.“ Er bemerkte die Blicke von Vater und Halbbruder: „Liege ich so falsch?“ „Du liegst richtig“, erklärte der Inu no Taishou: „Gut. Dann sollen Myouga und Jaken die Regierung übernehmen, bis wir drei zurück sind. Offiziell nur wir beide, natürlich. – Es ist unsere Falle und wir springen hinein.“ „Und ich mache sie wieder auf“, erklärte der jüngere Prinz zufrieden. Jetzt wäre doch Kagome bestimmt nicht mehr so traurig. **************************** Die Hundefamilie bringt also einen Joker mit. Im nächsten Kapitel lernt der Inu no Taishou Agamemmnon richtig kennen und Inuyasha denkt nach. Frohe Weihnachten euch bis zum nächsten Kapitel bye hotep Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)