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Reset

Matt/Mello
von

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~ You're uncontrollable

And we are unlovable

And I don't want you to think that I care

I never would, I never could again ~
 

Muse: "Escape"
 


 

Es sind kleine Dinge, die Mello an Matt erinnern.

Der Geruch von bestimmten Zigarettenmarken. Schrille Hightech-Geräusche, die ihn an Videospiele denken lassen. Dunkel getönte Taucherbrillen. Ringelpullover.

Vor allem Ringelpullover.
 

Manchmal schlendert er durch eine Menschenmenge und durchdenkt wilde Pläne über Entführungsspektakel, Präsidentenerpressungen und Bombendrohungen … und dann sieht er aus den Augenwinkeln gestreiften Stoff und spürt, wie er stehen bleibt. Wenn er sich zwei Sekunden später eine Tafel Schokolade zwischen die Lippen schiebt und verärgert den Kopf schüttelt, hat er meistens schon wieder vergessen, was ihn grade abgelenkt hat.
 

In Mellos Leben und in seinen Gedanken ist nicht viel Platz. Nicht für andere Dinge außer irre Pläne und diesen Hass auf Near.

Near ist der kleine, gigantische Schatten, der schon sein ganzes Leben lang über allem liegt.
 

Dann ist da L´s Tod, der ihn so wütend macht, dass es ihm die Kehle zuschnürt.
 

Und Matt ist eben das was übrig bleibt. Nur kleine Dinge.

Wie das Handy, das lautlos in seiner Jackentasche vibriert. Zum siebten Mal in den letzten zwei Stunden.
 

„Ich langweile mich“, antwortet Matts Stimme, bevor er fragen kann.
 

Mello lehnt im Dunkeln an einer Hauswand und friert. Und langweilt sich genauso, aber kann es nicht sagen. Das ist hier ist seine Mission.

„Jammer nicht“, sagt er aus Gewohnheit und verschränkt die Arme.
 

Drei Jahre hat Matt darauf gewartet, dass Mello kommt und ihn abholt.

Zumindest kam es Mello so vor, denn als er ihn endlich in einer kleinen, billigen Wohnung in der Eastside aufgestöbert hat, hatte Matt bereits alle Sachen zusammengepackt.
 

Aber vielleicht hat er auch nur nie ausgepackt.

Bei Matt kann man das nie so genau wissen.
 

Feuchtigkeit sickert von der rissigen Mauer in seinen Kragen und in Misas Wohnzimmerfenster brennt immer noch Licht.
 

„Wie läuft es? Hast du wenigstens Spaß?“
 

„Nicht unbedingt.“

Mello kann Frauen beobachten einfach nicht so viel abgewinnen. Es wäre ihm beinah lieber, wenn Misa irgendetwas Verdächtiges tun würde. Aber sie geht rund um die Uhr nur einkaufen und sieht Fernsehquizshows an.
 

„Ach, verdammt …“ Er hört Matt fluchen, leise und ohne wirklichen Ärger dahinter.
 

„Was?“ Mello hebt den Kopf, sekundenlang in der Hoffnung, dass sich etwas tut, irgendetwas, das spannender ist als Misa Amanes Wohnung zu observieren.
 

„Ich bin gestorben“, erwidert Matt mit Grabesstimme. „Ich sterbe immer im neunten Level. Immer wenn ich auf diesen blöden Highway komme …“
 

Mello hört das elektronische Klicken im Hintergrund, als Matt auf ein dutzend Knöpfe drückt und verdreht die Augen.
 

Near, dieser kleine Bastard, hat einen professionellen Militärstab an Mitarbeitern.

Halle Lidner, die scharf ist, aber Mello kalt lässt und diesen große, finster aussehende Panzerschrank. Da sind noch mehr, die zu unwichtig waren, als das man sich ihre Gesichter merken müsste.

Alle gleichermaßen professionell. Militärisch. Effizient.
 

Und Mello hat Nichts mehr. Nur Matt.

Matt im Ringelpulli.
 

„Was denkst du … werden wir bei dieser Sache sterben?“
 

Matt, der immer unpassende Fragen stellt.
 

„Nicht unbedingt.“
 

„Oh gut.“
 

Er hört wie die Couch leise Geräusche von sich gibt, als Matt sich darauf ausbreitet. Eigentlich könnte Mello jetzt auflegen, denn er hat nichts mehr zu sagen. Aber wenn er Matts ruhige, schläfrige Atemzüge in der Leitung hört, ist ihm ein bisschen weniger kalt.
 

„In meinem Videospiel dauert das Sterben immer zwölf Sekunden …“ sagt Matt leise und verträumt. „In jedem Level.“
 

Seiner Stimme ist nicht zu entnehmen, ob er das erschreckend lang oder erschreckend kurz findet. Mello weiß eigentlich auch nicht genau, wie er das finden soll.

Er denkt nicht gerne über sein eigenes Sterben nach.
 

„Und dann?“
 

„Na ja, ich drücke Reset und fange von vorne an.“
 

Videospiele – die beste Antwort auf die Frage nach dem Leben nach dem Tod. Das ist beinah zum Lachen.
 

„Gefällt mir“, sagt Mello, der nicht an ein Leben nach irgendwas glaubt, aber der es mag, von vorne anzufangen.
 

„Hat Misa-Maus schon angefangen, sich auszuziehen?“ fragt Matt. Er kann Themen so schnell wechseln wie zwischen zwei Fernsehkanälen hin und her zu schalten.
 

„Nein.“ Mello tut ihm nicht den Gefallen seine Kameras zu checken.
 

„Scheiße, ist das langweilig.“

Er hört wie Matt sich mit einer Hand eine neue Zigarette anzündet und gleichzeitig mit der anderen Reset drückt, damit sein Spiel von vorne anfängt.
 

Matt hat viele kleine Dinge an sich, die furchtbar nervig sind. Und jeder Mensch mit vernünftigem Modeverstand könnte ihm sagen, dass Ringelpullover so was von out sind wie nur irgendwas.
 

Aber er legt nicht auf … auch dann wenn Mello nicht mehr weiterredet.
 


 

^Fin^



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Kommentare zu dieser Fanfic (12)
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Von:  M
2006-12-11T20:11:56+00:00 11.12.2006 21:11
"Mello is alone now."

Na - zum Glück nicht. ^_^
Ich finds wirklich wunderschön. Es steckt so viel Gefühl da drin in der Art, wie Mello an Matt denkt, und wie sie beide reden. Und trotzdem bleibt die Sprache immer so kühl, hart und direkt, wie es eben zu den beiden paßt. Sie wirken wirklich wie dieses verschworene Schicksalspaar, das ihre Wege zusammen zu Ende gehen wird, und das in so kurzen Sätzen zu bringen, finde ich schon enorm.

"Drei Jahre hat Matt darauf gewartet, dass Mello kommt und ihn abholt.
Zumindest kam es Mello so vor, denn als er ihn endlich in einer kleinen, billigen Wohnung in der Eastside aufgestöbert hat, hatte Matt bereits alle Sachen zusammengepackt.

Aber vielleicht hat er auch nur nie ausgepackt.
Bei Matt kann man das nie so genau wissen."

Ich mag diesen Absatz sehr. Er sagt so viel über Matt aus. Und man kann sich fragen - IST er nun einfach ein Chaot, oder hat er wirklich...gewartet? Wie romantisch wäre das denn...? óò

"Near, dieser kleine Bastard, hat einen professionellen Militärstab an Mitarbeitern.
Halle Lidner, die scharf ist, aber Mello kalt lässt und diesen große, finster aussehende Panzerschrank. Da sind noch mehr, die zu unwichtig waren, als das man sich ihre Gesichter merken müsste.
Alle gleichermaßen professionell. Militärisch. Effizient.

Und Mello hat Nichts mehr. Nur Matt.
Matt im Ringelpulli."

Danke daß Near in der Fic ist (so irgendwie *g*) und ich liebe diesen direkten Vergleich. Vor allem diese letzten Sätze. Mello hat nur Matt in seinem Ringelpulli, aber Nia hat dafür keinen, der ihn einfach mal anruft, nur weil ihm langweilig ist.

„Was denkst du … werden wir bei dieser Sache sterben?“

„Nicht unbedingt.“

„Oh gut."

Die Trockenheit finde ich einfach schön. Ah, die beiden gegen das Schicksal...!

„Ich sterbe immer im neunten Level. Immer wenn ich auf diesen blöden Highway komme …“

Das ganze Bild mit den Videospielen gefällt mir, und es steckt alles so voll mit diesem traurigen, poetischen Foreshadowing, das trotzdem nicht kitschig ist.

Es wär so toll, wenn es diese Reset-Taste gäbe.

Gruß,
M
Von:  Jitzu
2006-12-11T14:24:49+00:00 11.12.2006 15:24
Gott ist das süß *taschentuch zück* *schluchz*
Vllt solltest du öfters unbearbeitete FFs on stellen, die sind nämlich genial »
Ich liebe den letzten Satz, der....hat einfach was.
Dafür hast du nen Keks verdient *keksdose rüberschieb*

~Jitzu~


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